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Pressespiegel
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„Qualität“ der Auseinandersetzung
Es stellt sich die Frage, worauf Herr Eisenberg im Artikel der Kreiszeitung
vom 01.04.12 seine Behauptung stützt, eine große Mehrheit
in Huchting sei für die geplante Verlängerung der Straßenbahnlinien
1 und 8. Auf Umfragen in der Bevölkerung oder Verkehrserhebungen
- die bis heute nicht vorliegen - jedenfalls nicht. Fakt ist, dass Huchting
über einen gut funktionierenden Busringverkehr verfügt und die
geplante Straßenbahnverlängerung die bisherige ÖPNV-Erschließung
deutlich verschlechtern würde. Die Straßenbahnverlängerung
wird als reine Transitstrecke für die Weiterführung nach Stuhr
und Weyhe missbraucht. Die BSAG und die anderen Betreiber des Vorhabens
haben bislang - obwohl Aktiv
das seit Jahren vergeblich fordert - keinerlei Untersuchungen über
die Verkehrsbeziehungen zwischen Bremen und seinem niedersächsischen
Umland sowie der Gemeinden Stuhr und Weyhe untereinander vorweisen können,
die die geplante Linienverlängerung rechtfertigen. Die behauptete
Fahrgastprognose kann daher mangels substantieller Grundlage ebenfalls
nur als aus der Luft gegriffen bezeichnet werden.
Soweit Herr Eisenberg eine Parallele zu Stuttgart 21 zieht, hat er die
maßgebliche Parallele, dass dort Schönrechnerei in großem
Umfang betrieben wurde, wohlweislich unerwähnt gelassen. Eine nachvollziehbare
Antwort auf die berechtigte Frage, weshalb leere Busse in Stuhr und Weyhe
durch eine leere Straßenbahn ersetzt werden sollten, bleibt Herr
Eisenberg schuldig.
Weder schreien die Mitglieder von Aktiv,
noch reagieren sie emotional auf die Strecke, wie Herr Eisenberg in diffamierender
Weise behauptet, sondern führen die Auseinandersetzung ausschließlich
mit Sachargumenten, denen sich die BSAG allerdings verschließt.
Die Bürgerinitiative Aktiv
hat mehrere in ihrem Auftrag erstattete Gutachten eines anerkannten Verkehrswissenschaftlers
an die BSAG gesandt und sie zu Vortragsveranstaltungen eingeladen. Das
hat die BSAG stets mit Stillschweigen ignoriert. Inzwischen liegen weitere
Gutachten vor - u. a. auch ein von der Gemeinde Stuhr eingeholtes -, wonach
die voraussichtliche Fahrgaststeigerung weit unter der von den Betreibern
des Vorhabens behaupteten Prognose bleibt.
Zu der im Interview ins Gespräch gebrachten Trasse Richtung Oyten
hat Herr Eisenberg ausgeführt, man „werde die Strukturdaten
ermitteln und dann klären, ob eine beständige Nachfrage besteht“.
Dieser Aussage kann nur zugestimmt werden, nur stellt sich die Frage,
weshalb das im Falle des hiesigen Vorhabens nicht längst geschehen
ist. Interessant in diesem Zusammenhang ist die weitere Aussage Herrn
Eisenbergs, dass es keine Zuschüsse vom Bund gibt, wenn auf Strecken
keine alten Gleiskörper zur Verfügung stehen. Das jedoch ist
hier der Fall. Aktiv
hat schon immer gesagt, dass die Verlängerung der Linie 8 in Richtung
Stuhr nur betrieben wird, nur weil hier eine Schiene liegt (das wurde
von den Betreibern stets bestritten, ist aber nun von Herrn Eisenberg
bestätigt worden), und zwar ungeachtet der Tatsache, dass ausweislich
eines vorliegenden Sitzungsprotokolls eine Straßenbahnverlängerung
auf derselben Strecke im Jahre 1993 vom Verkehrssausschuss der Gemeinde
Stuhr abgelehnt wurde, und zwar auf der Grundlage eines Gutachtens der
BSAG, in dem die Unwirtschaftlichkeit eines solchen Vorhabens festgestellt
wurde. Auf Nachfrage teilte die BSAG mit, „dass sich das Gutachtens
trotz intensiver Suche leider nicht mehr auffinden ließ“.
An anderer Stelle des Interviews führt Herr Eisenberg zu einer nach
Achim angesprochenen Verbindung aus, dass man natürlich keinen Parallelverkehr
zur Regionalbahn aufbauen werde, weil es dazu keine Fördermittel
vom Bund gäbe. Dann stellt sich die Frage, weshalb die BSAG dann
eine Straßenbahnverlängerung nach Weyhe-Leeste betreibt. Denn
in Kirchweyhe verkehren die Regionalbahn und die S-Bahn und für das
kurze Stück dorthin bedürfte es von Leeste aus nur einer Busanbindung
zum Bahnhof Kirchweyhe, von wo man in 13 Minuten das Bremer Zentrum erreicht.
Die Erklärung für das Beharren auf der Verlängerung der
Linien 1 und 8 und die mangelnde Bereitschaft der BSAG und der übrigen
Betreiber dieses Vorhabens zu einer sachlichen Auseinandersetzung über
deren Notwendigkeit findet sich auch unverhüllt in den weiteren Äußerungen
Herrn Eisenbergs zur Förderung aus Bundesmitteln: „Die Bundesregierung
wird ihre Förderung des 2019 einstellen, deshalb sind die verbleibenden
Gelder hart umkämpft. Immer wieder hören wir von Projekten aus
Hamburg und Hannover.“ Also muss unter allen Umständen bis
dahin gebaut werden ohne Rücksicht auf die tatsächlichen Verkehrsbedürfnisse
allein zum Zwecke der Abschöpfung von Fördermitteln. Dass kann
nicht im Interesse der Allgemeinheit sein! Nicht diejenigen, die am lautesten
schreien und Förderwürdigkeit durch Schönrechnerei ihrer
Projekte vortäuschen, sollen die sich aus dem Steueraufkommen rekrutierenden
- Fördermittel erhalten, sondern die Städte, die eine verkehrliche
Notwendigkeit und Wirtschaftlichkeit ihrer Nahverkehrsprojekte nachweisen
können.
Es drängt sich mir der Eindruck auf, dass Herr Eisenberg - getragen
vom Hochgefühl der neuen rot-grünen Mehrheit in Bremen - Vorstellungen
über die künftige Entwicklung von Mobilität und Verkehr
im Raum Bremen äußert, die einer rationalen Überprüfung
kaum standhalten dürften.
Aktiv fordert für
die geplante Verlängerung der Linien 1 und 8 Fahrgastprognosen auf
der Basis aktueller Daten zur Mobilität und Verkehrsmittelwahl
im Einzugsbereich der geplanten Linien. Die bisherigen Prognosen (zur
Verlagerung von Pkw-Fahrten auf die Straßenbahn) beruhen auf Verkehrsdaten
von 2001 (!!!). Auch Herr Eisenberg müsste einsehen, dass dies keine
verlässliche Basis für eine Verkehrspolitik ist, deren Auswirkungen
sich erst im nächsten Jahrzehnt zeigen werden.
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