Baumfällungen an der BTE-Trasse

Mit großer Sorge nimmt die Bürgerinitiative „Aktiv-Stuhr“ die Baumfällungen entlang der geplanten Trasse der Linie 8 zur Kenntnis (siehe Berichte in der Regionalen Rundschau und der Kreiszeitung). Unter Verweis auf Sicherheitsaspekte erfolgten im Umfeld des Biotops Moordeich sowie entlang der Stuhrer Landstraße und des Rodendamms umfangreiche Gehölzarbeiten.

Zwar ist die Gewährleistung der Verkehrssicherheit unbestritten ein hohes Gut. Allerdings entsteht aus unserer Sicht der Eindruck, dass die durchgeführten Maßnahmen weit über punktuelle Gefahrenabwehr hinausgehen. Einzelne umgestürzte Bäume werden als Begründung für umfassende Eingriffe herangezogen, ohne dass bislang transparent dargelegt wurde, welche konkreten Bäume akut standsicherheitsgefährdet waren und welche fachgutachterlichen Kriterien zur Anwendung kamen.

Besonders kritisch sehen wir:

  • die pauschale Argumentation mit „zunehmenden Wetterextremen“ und „feuchten Bodenverhältnissen“, ohne differenzierte Einzelfallprüfung öffentlich nachvollziehbar darzustellen,
  • die Eingriffe in sensiblen Bereichen wie dem Biotop Moordeich, das als ökologisch wertvoller Rückzugsraum für zahlreiche Tierarten gilt,
  • die zeitliche Koppelung der Maßnahmen an den Ausbau der Straßenbahnlinie 8, wodurch der Eindruck entsteht, dass infrastrukturelle Erwägungen Vorrang vor Naturschutzbelangen erhalten.

Die angekündigten Ersatzpflanzungen, deren Ort und Umfang nicht näher erläutert werden, und die Entwicklung einer „Artenschutzhecke“ können den Verlust alter, ökologisch bedeutsamer Bäume kurzfristig nicht kompensieren. Jahrzehnte gewachsene Strukturen lassen sich nicht durch Neuanpflanzungen ersetzen. Auch das Belassen von Totholz im Gebiet stellt keinen gleichwertigen Ausgleich für gesunde Altbäume dar.

Wir befürchten eine schleichende Entwertung gewachsener Grünstrukturen entlang der historischen BTE-Trasse im Zuge des Projekts Linie 8.

Die Bürgerinitiative fordert daher eine transparente Offenlegung aller Gutachten, sowie vot Ort eine Nachpflanzung entsprechend der Vorgaben der Baumschutzsatzung der Gemeinde Stuhr.

Erhebliche methodische und inhaltliche Schwächen der ÖPNV-Umfrage

Die vorgelegte Auswertung der Online-Befragung zum ÖPNV in Stuhr zeigt vor allem eines: Wir wissen weiterhin zu wenig – und das auf einer sehr dünnen Datengrundlage.

Bei einer Beteiligung von lediglich 1,05 % der angesprochenen Bevölkerung kann nicht von einem belastbaren Meinungsbild gesprochen werden. Dennoch wird mit dieser nicht repräsentativen Umfrage argumentiert, als ließen sich daraus strategische Weichenstellungen ableiten.

Besonders kritisch ist:

  • Über die Hälfte der Teilnehmenden nutzt den ÖPNV selten oder gar nicht – trotzdem fließen ihre Einschätzungen gleichwertig in die Zufriedenheitsbewertung ein.

  • In einzelnen Ortsteilen liegt die Zufriedenheit teils bei nur 14–19 %. Gleichzeitig wird das Angebot von Seiten des Aufgabenträgers als „gut bis sehr gut“ bezeichnet. Dieser Widerspruch wird nicht aufgelöst, sondern relativiert.

  • Der am häufigsten genannte Wunsch ist eine Taktverdichtung. Gleichzeitig wird bereits signalisiert, dass dies aus Kostengründen kaum umsetzbar sei. Damit entsteht der Eindruck: Man fragt die Bürgerinnen und Bürger – aber strukturell ist kaum Spielraum vorgesehen.

Hinzu kommt, dass die Umfrage rein online durchgeführt wurde. Wer digital weniger affin ist oder keinen regelmäßigen Internetzugang hat, wurde faktisch ausgeschlossen. Gerade im Mobilitätsbereich betrifft das potenziell besonders relevante Gruppen.

Wenn am Ende festgestellt wird, dass das bestehende Angebot „zum Teil nicht bekannt“ sei, stellt sich die Frage: Handelt es sich um ein Angebotsproblem – oder ein Kommunikationsproblem? Und wenn es ein Kommunikationsproblem ist, warum wurde dieses nicht längst systematisch angegangen?

Die Umfrage liefert Hinweise – aber sie ersetzt keine fundierte Mobilitätsstrategie. Wenn es ernst gemeint ist mit Klimaschutz, sozialer Teilhabe und attraktiver Daseinsvorsorge, dann reicht es nicht, auf Kostengrenzen zu verweisen. Dann braucht es eine politische Prioritätensetzung.